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Gibt es Unterschiede in der Empfehlung, die von der Haltungsform abhängig sind? Oder anders gefragt: Müssen z.B. Offenstallpferde gar nicht eingedeckt werden?

Tanja Romanazzi (Offenstallkonzepte): Offenstallpferde kommen aus meiner Sicht besser ohne Decke klar, da sie sich bei Bedarf bewegen können. Gesunde Offenstallpferde müssen nicht eingedeckt werden.

Christine Garbers (VFD): Grundsätzlich müssen Offenstallpferde nicht eingedeckt werden. Wohlgemerkt: Grundsätzlich! Das bedingt jedoch eine optimale Haltung mit freiem Zugang zu schützenden Unterständen, ohne Einschränkung z.B. durch ranghöhere Tiere, die den Zugang verwehren. Das Pferd muss gesund sein, über ausreichend isolierendes Fell verfügen und an diese Haltung gewöhnt sein. Ein reines Boxenpferd mitten im Winter plötzlich in einen Offenstall zu stellen, ist nicht empfehlenswert. Und natürlich ist das Reit- oder Fahrpensum dem Wetter anzupassen. Auch die Fütterung spielt eine Rolle: wo immer möglich, sollte gutes Heu ad libitum angeboten werden. Extra Kraftfutter oder Mash ist nur bei entsprechender Disposition notwendig.

 

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Nicht immer zeigt sich der Winter von so einer schönen Seite. Für Pferde, die in artgerechter Haltung leben und genügend Zeit hatten, sich an ihre Umgebung zu gewöhnen, sind Decken nicht notwendig. Es gibt aber auch Ausnahmen.

 

Dr. Michael Duee (FN): Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass das Kürzen des Winterfells den Pferden die Arbeit im intensiven Training erleichtert und eine schnellere Regeneration ermöglicht. Beispielsweise schlussfolgert die Studie von Morgan (2002), dass geschorene Sportpferde durch eine verbesserte Wärmeabgabe während des Trainings ihr thermoregulatorisches System weniger belasten und effektiver ihre Leistung erbringen.
Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die Beeinträchtigung der Thermoregulation durch starkes Schwitzen während und nach intensivem Training die Anfälligkeit für Infektionen erhöht. Eine schnelle und effektive Trocknung des Winterfells beispielsweise nach intensivem Training ist wichtig für eine Gesunderhaltung des Pferdes sowie für den Schutz der Hautintegrität. Sie erfordert jedoch viel Zeit und/oder Geld für technische Lösungen wie Solarien. Des Weiteren kann täglich intensives Schwitzen zu Elektrolytimbalancen führen, sodass hier unter Umständen ein Ausgleich über die Fütterung erfolgen muss.
Demzufolge kann in Abhängigkeit von der Trainingsintensität und den -bedingungen die Thermoregulation von Sportpferden im Winter durch ein frühzeitiges Eindecken im Herbst für eine reduzierte Winterfellproduktion, sowie durch eine Komplett- oder Teilschur unterstützt werden.
Es muss jedoch immer beachtet werden, dass es sich dabei um Eingriffe in den natürlichen Thermoregulationsmechanismus des Pferdes handelt und daher sollten stets eine Berücksichtigung der Nutzungs- und Haltungsbedingungen sowie die Orientierung am aktuellen wissenschaftlichen Stand erfolgen.

 

 

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Pferde, die grundsätzlich im Freien gehalten werden, brauchen im Herbst/Winter in der Regel zumindest in den meisten Gegenden in Deutschland keine Decke, wenn genügend trockene Unterstellmöglichkeiten vorhanden sind.

Dr. Katja Roscher (Justus-Liebig-Universität Gießen)

 


Dr. Katja Roscher (Justus-Liebig-Universität Gießen): Pferde, die grundsätzlich im Freien gehalten werden, brauchen im Herbst/Winter in der Regel zumindest in den meisten Gegenden in Deutschland keine Decke, wenn genügend trockene Unterstellmöglichkeiten vorhanden sind.
Ausnahmen können z.B. bei sehr alten und vor allem dünnen Pferden bestehen, die bei andauerndem Regen aufgrund des Ernährungs-/Bemuskelungszustandes unter Umständen Schwierigkeiten mit der Thermoregulation haben und dann einen entsprechenden Regenschutz benötigen. Hauptsächlich im Stall gehaltene Pferde weisen unter Umständen kein so deutlich ausgeprägtes Winterfell auf und müssen dann bei nassem/kalten Wetter im Freien ebenfalls geschützt werden. Dies gilt natürlich insbesondere für geschorene Pferde.


Katharina Claudi (LAG e.V.): Es gibt keine Unterschiede, die von der Haltungsform abhängig sind. Lediglich Unterschiede hinsichtlich der Nutzung des Pferdes. Bei geschorenen Pferden, empfiehlt es sich, rechtzeitig einzudecken. Hierbei sollte man allerdings dann auch dauerhaft bis zum Frühjahr eindecken. Die Frage ob ein Pferd geschoren werden muss, ist eine andere. Bei Pferden, die stark schwitzen, empfiehlt sich ein sogenannter „Rallye-Schnitt“, der es dem Pferd ermöglicht, auch ohne Decke durch den Winter zu kommen. Die Ursache für starkes Schwitzen sollte allerdings herausgefunden und abgestellt werden. Nicht selten liegt hier eine Fehlfunktion des Stoffwechsels – z.B. durch nicht bedarfsgerechte Fütterung – vor.

Dr. Judith Winter (Freie Universität Berlin): Es gibt keine Unterschiede bezüglich der Haltungsform. Ein Pferd, das allerdings die meiste Zeit in einem leicht geheizten Stall steht, wird unter Umständen kein ausreichendes Winterfell entwickeln, um sich bei Minusgraden draußen für längere Zeit wohl zu fühlen.

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