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Zipper E-Schubkarre ZI-EWB500LI – ab in den Matsch

Zipper E-Schubkarre ZI-EWB500LI – ab in den Matsch

Die handliche Elektro-Schubkarre von Zipper verspricht Hilfe bei der Stallarbeit und das zu einem äußerst günstigen Preis. Wir haben die Schubkarre ausgiebig getestet.
Gerade im Herbst und Winter, wenn die Pferdeäppel nass und schwer und der Matsch im Außenbereich mehr werden, kann eine gut gefüllte Schubkarre zur echten Herausforderung werden, vor allem dann, wenn auch noch Steigungen dazu kommen. Der Wunsch nach Motorunterstützung wird dann schnell größer. Der österreichische Hersteller Zipper bietet zwei verschiedene E-Schubkarren an, die die tägliche Arbeit im Stall erleichtern sollen. Das größere Modell ZI-EWB500LI haben wir seit einem Jahr im harten Country-Reiten.de-Alltagstest.
 

schubkarre unmontiertDie Zipper-Elektro-Schubkarre wird als "Bausatz" geliefert. Der Zusammenbau geht mit ein wenig technischem Verständnis gut von der Hand.

Aufbau

Die Schubkarre ist aus Metall gefertigt und macht auf den ersten Blick einen robusten Eindruck. Das Rad mit grobstolligen Vollgummireifen wird über einen Nabenmotor angetrieben, der von einem Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Zipper verspricht eine Laufzeit von bis zu fünf Stunden.
Neben dem Hauptrad gibt es zwei kleinere Rollen mit Bremse, damit man die Schubkarre nicht permanent mit den Handgriffen anheben muss.
Die Steuerung des Motors erfolgt über einen Drehgriff am rechten Handgriff und die Zipper-Karre erreicht eine Geschwindigkeit von bis 7,5km/h.
Die stabile Metallwanne fasst 75 Liter und die gesamte Schubkarre kann mit bis zu 150 kg beladen werden.
 

Zusammenbau

Geliefert wird die Zipper-Karre in einem kompakten Karton, denn sie muss zuerst zusammengebaut werden. Eine Anleitung wird mitgeliefert, jedoch ist diese sehr klein, sodass es nicht immer klar ist, welche Teile wohin gehören. Mit etwas technischem Grundverständnis erklärt sich dann aber doch vieles sehr gut. Der eigentliche Zusammenbau ist ein wenig umständlich, da einige Teile nicht immer zu hundert Prozent passen. Aber auch das lässt sich mit etwas Geduld und dem richtigen Werkzeug lösen.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall die Montage auf einer weichen Unterlage, um die einzelnen Teile zu schützen, da die Lackierung leider sehr schnell verkratzt. Nach einiger Zeit ist dann aber alles montiert und der ersten Testfahrt steht nichts mehr im Weg.
 

Handling

Die erste Fahrt auf trockenem und ebenem Untergrund macht Spaß. Die Zipper reagiert schnell, lässt sich leicht steuern und fährt richtig schön schnell. Die Steuerung mit dem Handregler ist etwas undefiniert. Mal meint man, es wäre eine stufenlose Regelung, mal hat man den Eindruck, dass mit der Drehbewegung lediglich ein Ein- und Ausschalten erfolgt. Mit ein wenig Übung hat man aber schnell den Bogen raus, wie man die Schubkarre in seinem eigenen Wunschtempo fährt.
Ein Nachteil ist jedoch die geringe Höhe der Griffe. Ich selber bin mit 178 cm nicht wirklich groß und muss mich doch immer bücken. Größere Menschen tun sich entsprechend schwerer. Beim Fahren muss man die Karre, will man nicht mit gebeugten Rücken gehen, also immer leicht anheben. Das erfordert zusätzlichen Kraftaufwand, denn eigentlich könnte die Karre ja wunderbar als Dreirad gefahren werden.
 
 
Auf dem Bild sieht man, wie gut der Antrieb - sogar in so einem matschigen Untergrund - beim Vortrieb unterstützt. Das funktioniert auch mit einer vollbeladenen Schubkarre noch sehr gut. 
 
Allerdings klappt das auch nur auf halbwegs festen Flächen, den die zwei Stützräder sind doch sehr klein und wirken nicht, als würden sie im Outdooreinsatz lange überleben. Gerade im Schlamm und Matsch graben sie sich schon einmal ein und bremsen dann eher. 
Hier wären anstelle der „Möbelrollen“ ein paar größere Räder sicher die bessere Wahl. 
Interessant ist bei einer angetriebenen Schubkarre ja immer die Frage, wie das Fahrverhalten in unebenem oder matschigem Gelände ist. Hier spielt die Zipper-Karre ihre ganze Kraft aus und kann – das sei an dieser Stelle schon einmal verraten – wirklich überzeugen. Auch in 20 cm tiefen Matsch bietet sie noch Vortrieb und ist eine echte Erleichterung. Sie fährt vielleicht an den ganz schlimmen Stellen nicht mehr komplett von alleine, bringt aber ausreichend Unterstützung mit, um die anstrengende Fahrt durch eine Schlammwüste leichter und teilweise überhaupt möglich zu machen.
Gerade bei Paddock-Trail-Anlagen oder großen Ställen ist das eine sehr geschätzte Arbeitserleichterung, die jedoch direkt den Wunsch nach einer größeren Mulde weckt. Das ist wirklich ein Nachteil im Betrieb, denn auf dem rund 500 m langen Paddock-Trail des Country-Reiten-Testhofs muss man  die Schubkarre zwischendurch mindestens einmal leeren. Zum Glück hat Zipper angekündigt, 2022 weitere Modelle mit größeren Mulden auf den Markt zu bringen, die dieses Manko dann hoffentlich beheben.
 
AkkuDer Akku bietet mehr als ausreichende Kapazitäten für den täglichen Einsatz.
 

Akku-Fragen

Der Akku der Zipper-Karre hat uns überzeugt. Zipper gibt die Arbeitszeit bei voller Akkuladung mit bis zu fünf Stunden an. Da man im täglichen Betrieb jedoch die Karre immer wieder nur kurz fährt, absetzt, belädt und wieder weiterfährt, ist das ein mehr als ausreichender Wert. Im Sommer wurde die Karre z.B. kaum von den Stallhilfen genutzt und wir waren positiv erstaunt, dass auch nach einem halben Jahr Pause der Akku noch richtig Saft hatte.
Zum Aufladen des Akkus wird ein Netzteil mitgeliefert, allerdings wäre es schön, wenn dessen Kabel ein klein wenig länger wäre.
 

Praxiseinsatz 

Bei motorgetriebenen Schubkarren beobachten wir immer ein Phänomen: Kommen Sie bei uns in den Testbetrieb, sind alle Stallhilfen und Tester*innen interessiert, lassen sie dann aber häufig stehen. Aber irgendwann, spätestens wenn der Matsch mehr wird, sieht man alle mit der Schubkarre beim Misten. Das zeigt deutlich, welche Arbeitserleichterung sich durch die Motorunterstützung ergibt. Dies war auch bei der Zipper-Karre so und das, obwohl sie aufgrund ihrer geringen Ladekapazität beim Abäppeln des Trails mindestens einmal zum Misthaufen gefahren und ausgeleert werden musste. 
005 zi ewb500liDie Stützräder sind zu klein und für den Einsatz im Matsch nicht wirklich geeignet. Auch die genannten Mängel mit der geringen Höhe der Griffe und die nicht wirklich Outdoor-tauglichen Minirollen fallen in der täglichen Praxis nur wenig ins Gewicht. Die geringe Zuladung hat naturgemäß den Vorteil, dass sich die Zipper-Karre entsprechend leicht anheben lässt.
Gerade dann, wenn der Matsch besonders tief wird, möchte man die Zipper-Karre nicht mehr missen, denn an Stellen, wo man sonst mit einer handgeschobenen Schubkarre nur noch mit viel Kraftaufwand durchkommt, geht das mit der Zipper-Karre sehr einfach.
 
 

Vergleich mit der PowerPac ED120 E-Schubkarre

Das Angebot an Schubkarren mit Motor – ob Elektro- oder Verbrennungsmotor – im Einsteigerpreisbereich unter 1.500 Euro ist überschaubar, aber dennoch ausreichend. Schaut man sich das Angebot an, so werden diverse, vermutlich aus chinesischer Produktion stammende Modelle unter verschiedenen Handelsnamen angeboten. Die Zipper-Karre ist mit einem Straßenpreis von 399,- Euro eine der günstigsten am Markt und wir haben sie auch mit der E-Schubkarre ED120 von PowerPac verglichen, die für einen Straßenpreis von ca. 999,- Euro  angeboten wird (diese Schubkarre haben wir ebenfalls schon getestet https://www.country-reiten.de/magazin/test/144-test-powerpac-elektro-schubkarre-ed-120)
Ohne Zweifel bietet die PowerPac-Lösung mehr Komfort, da sie sich bequemer fahren und auch entleeren lässt. Zudem kann sie mehr Last aufnehmen und es gibt weitere Aufbau- und Einsatzmöglichkeiten. Auch die Stützräder sind größer und fahren sich nicht so schnell fest.
Dafür kostet sie aber auch deutlich mehr, als die Zipper-E-Schubkarre.
 

Fazit

Für einen Straßenpreis knapp 400 Euro ist die Zipper ZI-EWB500LI Elektro-Schubkarre eine gute Investition. Trotz der kleinen Mängel und der einen oder anderen konstruktiven Schwachstelle bewährt sie sich nun seit einem Jahr und in allen Jahreszeiten mit Bravour.
Die Akkulaufzeiten sind erstklassig, die Erleichterung bei der täglichen Arbeit will man schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen und selbst im sehr tiefen Matsch bietet sie eine gute Unterstützung.
Gerade bei großen Flächen und Trails, die nicht befestigt sind, ist diese Schubkarre ein unerlässliches Werkzeug. Perfekt wäre es, wenn Zipper dafür auch eine größere Wanne anbieten würde, um die Anzahl der Zwischenentleerungen zu minimieren.
 

 

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