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Unbenannt-2-LoResHelm oder nicht Helm, das ist eine Frage, die sich nicht nur Reiter stellen. Eigentlich sollte jeder Reiter einen Kopfschutz tragen, vor allem, wenn man viel im Gelände unterwegs ist. Leider sehen aber viele Helme wenig elegant aus und bieten kaum Tragekomfort. Beides Gründe, warum nicht nur Westernreiter häufig auf einen Kopfschutz verzichten. Jetzt bietet die junge Firma Helt Pro eine Alternative an, die den Kopf schützen und dabei auch noch gut aussehen soll. Ob sie sich für den Reit-Einsatz eignet, haben wir getestet.

Der Grundgedanke ist so einfache wie genial. Man nehme eine Art Sicherheitsschale und stülpe darüber eine modische Hülle, um das Innenleben zu verbergen. Damit lässt sich ein Kopfschutz bauen, der weniger klobiger aussieht, als herkömmliche Helme und somit vor allem die Reiter vom Helmtragen überzeugen soll, denen optische Gründe bisher vor Sicherheit gingen. Hinter Helt-Pro steckt die deutsche Firma Trikant GmbH aus Lausitz in Sachsen. Die Produktion der Helme erfolgt in Deutschland und auch bei den Zulieferern achtet man darauf, dass sie aus der umliegenden Region kommen. Konfektion, Montage und Versand werden von Werkstätten für behinderte Menschen in der Umgebung ausgeführt.

Komponenten
Rechts das Innenleben, links der Überzug. Das sind die
beiden Teile, aus denen sich der Helt-Pro-Kopfschutz
zusammensetzt.

Helt-Pro hat eine Lösung gefunden, um einen relativ dezenten Helm zu bauen, der trotz Sicherheitsinnenschale nicht zu wuchtig wirkt. Allerdings hängt der optische Eindruck auch ein wenig von der Hutgröße ab. Während mein Testhut mit Hutgröße 61 schon sehr mächtig wirkt, erscheinen kleinere Größen durchaus etwas eleganter. Wer mag, kann natürlich auch andere Deckhüte für die Innenschale auswählen. Wir hatten für den Test den 109,95 Euro teuren Butch Desert. Dessen Außenhülle erinnert an einen breitkrempigen Cowboyhut und ist aus einem Baumwollstoff gefertigt, der schon die typischen Gebrauchsspuren des harten Cowboy-Alltags aufweist. Das sieht auf alle Fälle sehr gut aus.

Komfort und Praxis

Mit einem Gewicht von 447 Gramm lässt sich der Helt-Pro noch sehr angenehm tragen. Ein normaler Westernhut bringt schließlich auch ohne Innenleben schon 217 Gramm auf die Waage. Die Innenschale ist mit einem Kunststoff-Dämpfungsmaterial gepolstert und wird einfach in die äußere Hülle geschoben. Dabei wird dann die Randpolsterung umgeklappt und fixiert die Außenhülle. Die Innenschale sitzt mit einer verstellbaren Riemenkonstruktion sicher auf dem Kopf. Das einzige, was mir nicht gefallen hat, ist die Schnalle, denn die lässt sich ineinanderschieben und hält mit einer Magnetverbindung. Entweder habe ich mich bei dieser einfachen Konstruktion zu doof angestellt oder diese Bauweise ist mir zu kompliziert. Auf alle Fälle hatte ich doch meine Mühe, die Schnalle sicher zu schließen und noch viel mehr, sie zu öffnen. Allerdings berichtet man mir beim Hersteller, dass die meisten anderen Anwender diese Verschlussart sehr schätzen sollen. Deswegen mein Tipp:  vor dem Kauf am besten selber ausprobieren.

Vergleichsbild

Links ein "normaler" Westernhut und rechts im Ver-
gleich der Helt-Pro. Bei Hutgröße 61 wirkt der Helt-Pro
doch recht wuchtig.


Aber unabhängig von diesen Details, hat sich der Hut als sehr angenehm zu tragen erwiesen. Ich habe ihn mehrfach angehabt und auch bei einem längeren Ritt über mehrere Stunden bei strahlendem Sonnenschein getragen. Dank der guten Belüftung der Innenschale und der weichen Randpolsterung war das jedes Mal sehr angenehm. Man vergisst recht schnell, dass man einen Kopfschutz trägt. Der Sitz auf dem Kopf ist klasse und der Hut bleibt auch bei schnellen Kopfbewegungen sicher an seiner Position.
Überhaupt nicht überzeugen konnte der Hut in Sachen Regenschutz. Die Baumwollhülle war sofort durchnässt und hielt keinerlei Wasser ab. Sie trocknete nur sehr langsam, was doppelt ärgerlich ist, denn wer in Deutschland mit dem Pferd unterwegs ist, wird mit ziemlicher Sicherheit dabei irgendwann in den Regen kommen. Laut Helt-Pro sind aber wohl die ersten Prototypen einer wasserdichten Kopfbedeckung im Test und sollen ab dem März 2013 als Modell Striker und Hunter erhältlich sein. Bis dahin müsste man sich vermutlich mit einer guten Ladung Imprägnierspray helfen und den Butch Dessert so gegen Regen immunisieren.

Sicherheit

Doch unabhängig von allem Komfort und gutem Aussehen muss ein Reithelm natürlich zuallererst eines tun: Den Kopf sicher vor Verletzungen schützen. Helt-Pro geht hier einen eigenen Weg, denn man baut keinen Reithelm im Sinne der Normen, sondern einen Kopfschutz, der vor allem Helm-Muffel zum Tragen bewegen soll.

Innenleben-vom-Helm

Im Innern des Helt-Pro sitzt diese Schalte, die Dank
Belüftungsschlitzen auch bei längerem Tragen keinen
Hitzestau entstehen lässt.

Helt-Pro weicht hier laut eigenen Aussagen bewusst von EN-Normen ab, die festlegen, wie ein Reithelm beschaffen zu sein hat. In dieser Norm ist zum Beispiel definiert, dass ein Helm eine entsprechen dicke Dämpfungsschicht benötigt, um Stöße bei einer Fallhöhe von 150 cm (flacher Sockel) (EN1077 und EN1078) / bzw. 106 cm (Bordsteinkante) (EN1078) auf eine maximale Beschleunigung von 250 g dämpft. Da diese Schicht natürlich einen entsprechenden Platz benötigt, ergibt sich daraus meistens ein entsprechend mächtiges Aussehen.
Man spricht bei Helt-Pro deswegen auch von einem „Kopfschutz-Produkt für Menschen, die sonst keinen normalen Helm tragen würden.“  Mit der Helt-Pro-Bauweise sollen Schläge gegen den Kopf im Vergleich zum normalen Helm um ca. 50-70 % abgedämpft werden. Die übrigen Prüfkriterien der EN 1077 und EN 1078 (Sichtfeld, Konstruktion, Festigkeit des Haltesystems und Leichtigkeit des Öffnens, Wirksamkeit der Trageeinrichtung und Durchdringungsfestigkeit (EN 1077)) will der Hersteller laut seinen eigenen Angaben erfüllen. Helt-Pro hat diese Daten von der Materialprüfungsanstalt MPA der Universität Stuttgart ermitteln lassen. Die Universität Strassbourg arbeitet zurzeit wohl an einem neuen Sicherheitszertifikat, das in wenigen Wochen zeigen soll, wie sicher der Helt-Pro ist. Wir werden darüber sicher berichten, sobald das Zertifikat vorliegt.
Klassifiziert ist der Helm als „Persönliche Schutzausrüstung, Kategorie 1“. Laut TÜV, mit dem wir uns in Verbindung gesetzt haben, muss ein Reithelm aber die Kategorie 2 erfüllen. Die Kategorie 1 umfasst Gerätschaften, deren Sicherheit auf einer Selbsterklärung der Hersteller beruht. In dieser Kategorie befinden sich laut TÜV Süd normalerweise Produkte, die gegen geringfüge Risiken (z.B. Prellungen oder Schürfungen) schützen.

Das sind beispielsweise Arbeitshandschuhe, Sonnenbrillen oder Anstoßkappen. Sollte also ein Hersteller eine falsche Selbsterklärung verfasst haben, wäre das mögliche Risiko – salopp gesagt – nicht so schlimm. Eine Einordnung in diese Kategorie befreit den Hersteller also gewissermaßen von der Prüfpflicht, allerdings darf der Helm dann auch korrekterweise nicht als Reithelm tituliert werden. Man sieht also, dass man sich hier auf kompliziertem, juristischem Eis befindet, wo kleine Formulierungen oft große Auswirkungen haben.

Verschluss

Der Magnetverschluss soll ein schnelles Öffnen und
Schließen ermöglichen. Unser Tester hatte allerdings
seine Schwierigkeiten damit.

Fazit

Es fällt mir schwer, bei diesem Produkt ein Urteil zu fällen. Die Idee hinter dem Produkt ist klasse, die regionale Fertigung und Unterstützung von Menschen mit Handycap besonders lobenswert. Insofern kann man auch beim recht hohen Preis für eine Außenhülle die Augen zudrücken. Allerdings ist die Umsetzung noch nicht in allen Details perfekt gelöst, wie z.B. der fehlende Regenschutz zeigt. Das größte Problem sehe ich allerdings in der Sicherheit, bzw. der Erfüllung von Normen begründet. Man könnte natürlich sagen, dass ein Helm, der zumindest ein wenig schützt besser ist, als gar keinen Helm zu tragen und wenn durch einen Helt-Pro Reiter einen Kopfschutz tragen, die sonst keinen tragen würden, wäre das natürlich klasse. Ob einem der Schutz, den der Helt-Pro im Vergleich zu einem Reithelm im Sinne der Norm bietet, ausreicht, muss letztlich jeder Reiter für sich selbst entscheiden. Auch ob einem die Optik gefällt oder doch zu auffällig ist, gehört in den Bereich des eigenen Geschmacks. Ich selber würde den Helt-Pro aber definitiv nicht als Reithelm im Sinne der Norm bezeichnen und ihn mir deswegen auch nicht kaufen. Ich bin aber gespannt, wie die weitere Entwicklung verlaufen wird, denn mit funktionierendem Regenschutz und weiteren Zertifikaten könnte das wieder sehr interessant werden.

Plus
+ guter Tragekomfort
+ tolles Konzept

Minus
-    Kein Reithelm im Sinne der EN-Norm
-    Nicht wasserdicht oder –abweisend

Weitere Infos unter www.helt-pro.com und  www.helt-pro.com/de/Landingpages/der-alternative-reithelm-mit-hut.html

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